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Früher Bio – heute Tuba

Wo die BioInsel vor 25 Jahren begann, repariert und baut heute Mr. Kline Blasinstrumente

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Louis Jake Kline kommt direkt vom Dienst in die Schöneberger Leberstraße 13. Hier befindet sich seine Metallblasinstrumentenwerkstatt „The Berliner Tuba“, eben dort, wo der Biomarkt BioInsel vor 25 Jahren startete. Und weil Mr. Kline nicht nur repariert und rekonstruiert, sondern als Solo-Tubist auch körperlich fit bleiben muss, schätzt er das Biofood durchaus, hat aber aktuell gerade wenig Zeit für gesunde Ernährung.

Zurzeit kommt der 33jährige Amerikaner kaum zum Schlafen. Für das Bundespolizeiorchester Berlin stehen tägliche Proben, Konzerte, Gastspiele an. Hinzu kommen Blechblasquintett und -quartett – unter anderem in einer neuen historischen Formation – und am Tagesende dann noch seine kleine, aber feine Profi-Werkstatt, in der er ohne Dienstuniform, aber im Blaumann an Posaunen, Trompeten, Tuben und Hörnern werkelt. Kline hat rund um die Uhr gut zutun. Es gibt in Berlin nur sehr wenige Metallblasinstrumentenbauer und -werkstätten, obwohl Berlin hier eine lange Geschichte aufzuweisen hat.

Klarinette und Tuba

Als Vier-, Fünfjähriger begann Kline mit der Klarinette. Mit 13 fragte ihn der Dirigent seines Orchesters, ob er nicht mal was Neues ausprobieren wolle, der Platz der Tuba wäre gerade frei.

„Das war für mich toll. Die Tuba war groß, laut, ich war der einzige damit im Orchester. Das war was Besonderes!“ Und so ist es wohl auch noch heute, denn das wuchtige Instrument erregt beim Publikum immer wieder Aufsehen.

Die Tuba (lat. von Röhre) ist das tiefste aller gängigen Blechblasinstrumente. Die ersten Tuben wurden in Berlin um 1835 kurz nach der Erfindung der Ventiltechnik entwickelt. Wilhelm Wieprecht und Carl Wilhelm Moritz erhielten in diesem Jahr ein Patent auf eine Basstuba in F mit fünf Ventilen. Im Orchester werden Basstuba und Kontrabasstuba gleichermaßen verwendet. Die Tuba ist im Blasorchester mindestens zweifach besetzt. Kline spielt im Orchester die F-Tuba.

Berliner Bundespolizei-Orchester

Das hat Kline selbstverständlich von der Pike auf gelernt. Er studierte 1998 bis 2002 (Bachelor) und danach bis 2004 (Masters) an der Universitiy Michigan/USA.  Danach lernte er vier Jahre lang an der Technischen Hochschule in Seatle/Washington den Intrumentenbau. Von 2008 bis 2010 absolvierte er ein ergänzendes Musikstudium  bei dem Solo-Tubisten Jens Björn-Larsen in Hannover. Eigentlich kam Kline nur zum Studieren nach Deutschland – lernte dann hier seine spätere Ehefrau kennen,  wurde Mitglied im Bundespolizeiorchester Berlin und blieb bis heute.

Reparaturen für Kollegen

Kline hat schon immer seine Blasinstrumente selber repariert und modifiziert. Kollegen fragten ihn bald, ob er ihre Instrumente reparieren und verbessern könne. So fing es an mit der eigenen Werkstatt.

Und wie er so erzählt zwischen all den messing- und silberglänzenden Röhren, Ventilen und teuren Werkzeugen bringt Kollege die eigene Posaune zur Reparatur. Dabei kommt er mit den Instrumentenkoffern kaum durch die schmale Ladentür und die enge Treppe hinunter. „Unser Solo-Tenorhornspieler Tilo Tritthart, mit ihm spiele ich auch im Quartett.” Tilos Posaune muss etwas ausgebessert werden. Die gebrochene Stütze wird umgehend gelötet.

Der Klang vor 150 Jahren

Das wichtigste Werkstatt-Projekt ist aber gerade eines, das in Deutschland seinesgleichen sucht. „Wir restaurieren und untersuchen historische Metallblasinstrumente und wollen sie entsprechend nachbauen. Denn die alten Instrumente unterscheiden sich in ihrer Art und dem Klang doch sehr von den neuen. Wir suchen nun Noten und entwickeln entsprechende Instrumente. Wie haben die Musiker um 1880 gespielt? Wir restaurieren gerade eine alte B-Trompete (Berliner Trompete) aus dieser Zeit, die wir im Erzgebirge gefunden haben. Sie ist nur noch in Fragmenten erhalten und ziemlich kaputt, hat aber einen ganz besonderen Klang. Die Idee ist: Wir rekonstruieren sie und bauen sie nach – so eine Art Retro-Look. Dann spielen wir alte Stücke auf nachgebauten Instrumenten dieser Zeit. Der alte Brahms klingt dann eben ganz anders.” Die erste Probe, eine Weltpremiere, hat gerade stattgefunden. Nach sechs Monaten Arbeit war die Spannung groß. Das Ergebnis hat alle MusikerInnen und die Rekonstrukteure begeistert. Im März gibt es ein erstes öffentliches Konzert.

Die Hightec-Wasserklappe

Aber auch für Sammler und Musiker ist Kline im Einsatz. Ihm macht die Tüftelei Spaß. Er analysiert und erforscht die Hightec-Apparaturen, studiert Ventilsysteme, Metallverarbeitung oder Klangsysteme.  „Schaun Sie hier, diese Wasserklappe, ein altes System, wo man das Wasser rauslässt, was beim Blasen entsteht. – Und dann dieser Hightec-Mechanismus für das Wasser, den habe ich in England entdeckt und der funktioniert viel einfacher.“

Schatz der Spitzenklasse

Natürlich sammelt er auch – „das ist wie eine Krankheit“ schmunzelt der sympathische Amerikaner. Besonders für den Bau der Metallinstrumente werden viele und auch teure Werkzeuge gebraucht, z.B. acht bis zehn Bolzen für eine Tuba. Um diese finger- bis beindicken Metallstäbe werden dann die Messinglegierungen zu Rohren gedreht. So kann die Herstellung einer Tuba schnell mal einige tausend Euro kosten. Seine eigene ist von G & P – ein kleiner, sehr feiner Familienbetrieb aus Mailand . Sein „Schatz“ ist handmade, versilbert, die Herstellung hat Monate gedauert, das Ergebnis „Spitzenklasse“.

Eine weitere Arbeit aus seiner eigenen Werkstatt muss noch etwas geheim bleiben. Es handelt sich um eine Instrumenten-Neuentwicklung – inspiriert durch den amerikanischen Instrumentenbauer Georg Schlub aus Singapore. Das ist eine eigene Kreation eher für den Jazz-Bereich. Das Instrument sieht einer Trompete ähnlich, klingt aber tiefer – eher wie eine Posaune – vielleicht eine Art Jazzofon, Popete oder Trosaune.

Mit dem Stuhlflechter

Und warum ausgerechnet die Rote Insel? „Ich habe auf eine Anzeige des Korbflechters geantwortet. Hier ist genügend Platz für uns beide, das geht ganz gut. Und hier unten können wir auch mal ein bisschen Krach machen – das ist mit den Nachbarn abgesprochen. Denn ab und zu müssen wir ja mal ein paar Töne loslassen.“

Text/Foto: www.ankekuckuck.de

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Adresse:

The Berliner Tuba

Metallblasinstrumentenwerkstatt

Reparatur, Restaurierung und Bau von Metallblasinstrumenten

017664083768, Leberstraße 13

Stuhlflechterei  www.stuhlflechten.com