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Peter Zielke: BioInsel und Savon du Midi

Mehr als 20 französische Duftnoten aus Schöneberg

Peter Zielke ist überrascht: „Dann sind wir ja auch schon 20 Jahre mit unserem Seifen- Großhandel unterwegs. Und die ursprüngliche Firmenidee entstand sogar vor 30 Jahren…” Richtig; denn wenn die BioInsel in diesem Jahr ihren 25. Geburtstag auf der Roten Insel Schöneberg feiert und Zielkes Hobby – französische Seife – 1983 auf dem Winterfeldtmarkt seinen Lauf nahm, dann ist das eine wie das andere jubiläumsverdächtig. „Und außerdem,” so der Seifenfachmann mit Spürnase für das Besondere, „starteten wir damals auch mit dem Inselladen in der Leberstraße, ein winziges Lädchen auf der Roten Insel, das später dann Anne und Helmut übernahmen. Da hießen wir Bong Savong (Foto). Heute sind wir Savon du Midi und beliefern noch immer die BioInsel.” Und den Rest der Welt; denn Savon du Midi ist inzwischen eine Erfolgstory. Aber alles der Reihe nach.

Savon du Midi

v.l.: Der Ur-Laden in der Leberstraße/eine alte Seifenmaschine von 1913/ für jedes Seifenstück eine Banderole

Bong Savong und die Keimzelle der BioInsel

1983 war es, als Peter, Michael und zwei andere Mannen eine verrückte Idee des Frankreichfans Peter aufnahmen und sich mit französischen Produkten wie Kaffee und Honig, aber auch besondere Seifen auf den Winterfeldtmarkt stellten. Peter, von Haus aus Kaufmann und dann in den 80ern als Diplompädagoge in der Jugendförderung tätig, war seit 1975 mit einem französischen Imker befreundet. Da lag die Geschäftsidee nahe. Beim Französischkurs 1987 entstand mit Blumenfrau Antje die Idee, einen Bio- und Blumenladen mit Namen Inselladen zu eröffnen – selbstverständlich in Schöneberg, im Kiez. Aber schnell war für Michael und Peter klar:„Bioladen ist nicht unser Ding.” Zum Glück standen Helmut und Anne parat, übernahmen den Inselladen am 1. April 1988 und nannten ihn später BioInsel. Die Seife blieb allerdings allen erhalten.

In 15 europäische Länder

1993 entschied sich der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann Peter, auf eigene Faust einen professionellen Seifengroßhandel zu betreiben. Es begann bescheiden: „Anfangs haben wir noch selbst ausgeliefert. Heute geht alles Paketdienst und Spedition in 15 europäische Länder – nur Frankreich ist nicht dabei. Die haben so ihre eigene Idee von Seife”, schmunzelt Peter. Aber auch Shanghai, Südkorea, Australien, USA stehen auf der Lieferliste.

Ein duftes Betriebsklima

Seit 16 Jahren hat er seine Firma in der Monumentenstraße 33 auf 400 Quadratmetern. Hier wird kreiert, organisiert, konfektioniert, gelagert, verpackt und verschickt. Tritt man in die Gewerberäume ein, umgibt einen sofort der Duft von Lavendel, Rose und Zitrone. Von hier aus gehen inzwischen tonnenweise Seifenstückchen mit mehr als 20 Duftnoten wie Lavendel, Lemongras, Geranium, aber auch Vanille, Zimt-Orange, Honig, Vetyver oder Garrige in alle Welt. Ein duftes Betriebsklima, von dem andere nur träumen…

Die Seife in den Genen

„Und das Tollste”, sagt Peter Zielke heute: „Als wir damals hier einzogen entdeckten wir im hinteren Bereich einen riesigen Kessel – hier war mal eine Seifenherstellung – nach dem zweiten Weltkrieg muss es gewesen sein. Das kann man an den Schweißnähten noch feststellen.” Den entscheidenden Kick für sein Unternehmertum gab ihm aber seine Urgroßmutter. Sie stellte seinerzeit in Schlesien Seife her und zog damit über Land. „Das liegt eindeutig in den Genen!”

Alles rein pflanzlich

„Heute gibt es solche kleinen, feinen Seifenfirmen kaum noch außerhalb von Frankreich”, sagt Peter. Den Klassiker, die Olivenseife Savon du Marseille, produzieren zwei Firmen in Marseille aus reinen Pflanzenölen. Olivenöl, Palm- und Kokosöl werden in großen Kesseln mit Soda vermischt und bei 120 Grad Celsius gekocht. Nach dem Auswaschen mit Salzwasser erfolgt eine 48stündige Trocknung. Dann wird die Seife in Blöcke geschnitten und weiterverarbeitet. Die Bio-Rohseife für die meisten anderen Seifen wird in Kolumbien hergestellt. Die sogenannten Seifennudeln werden in kleinen französischen Manufakturen zu den herrlich duftenden Seifen von Savon du Midi weiterverarbeitet. Während der ganzen Produktion kommen keine tierischen Fette zum Einsatz.

Schnupperkurs für neue Kreationen

Sollen neue Duftnoten und Rohstoffe für aktuelle Kreationen sorgen, müssen Peter und seine Partnerin Monika Blanke selbst ihre Nasen einsetzen. Bevor nämlich die ausgewählten Zutaten zu Seifenstückchen verarbeitet werden, liegen die Muster zwei Monate zum Schnuppern bereit. Immer wieder wird daran gerochen, Konsistenz und Duftverhalten überprüft. Ist der Duft flüchtig? Entwickelt er sich in eine unerwünschte Richtung? Bleibt er beständig? Erst dann gehen neue Zusammensetzungen in Serie.

Mit Langsamkeit

Ein langsamer Herstellungsprozess in Kombination mit der Güte der Zutaten macht die Qualität des Endprodukts aus: Das Mischen und Vermengen bis die Konsistenz stimmt, bis sich alle Zutaten optimal miteinander vermengt haben. „Jedes einzelne Stück fühlt sich gut an”, schwärmt Monika Blanke, die inzwischen in den Seifenvertrieb mit eingestiegen ist. Sie ist eindeutig Fan von Handseife. Flüssigseife in Plastikflaschen sind ihrer Meinung nach unattraktiv, oft wässrig, zu teuer und keineswegs hygienischer. Vor allem, wenn man eine Benutzerregel beachtet: „Der Tod der Seife ist das Fußbad in der Seifenschale”, erklärt Monika, also immer für eine gute Abtropflagerung sorgen.

Seifenlieferung über die Straße

Die Verbindung zur BioInsel liegt noch heute auf der Hand. Monika und Peter wohnen seit mehr als 25 Jahren auf der Roten Insel. „Wir sind hier dreimal umgezogen. Wir gehen in der BioInsel einkaufen. Wir tragen, wenn ein Engpass entsteht, auch schon mal unsere Seifen-Displays über die Straße zu Anne und Helmut. Wir haben den Wandel auf der Insel miterlebt und finden das Leben und Arbeiten auf der Insel wunderbar.”

www.savon-du-midi.eu

Peter Zielke und Monika Blanke

30 Jahre Seifen-Handel: Peter Zielke und Monika Blanke

 

Text und Fotos: www.ankekuckuck.de

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