Öffnungszeiten:
Montag bis Samstag
8 – 21 Uhr

Oliver Mannal: Zungenbetörendes in der Jansen Bar

Wer glaubt, ein renommierter Barkeeper, der bis in den frühen Morgen den Shaker wirbelt, Bio-Gurkenschalen mit Ginger Ale angießt und Bio-Rohrzucker verrührt, verschlafe den hellichten Tag – der irrt! Oliver Mannal führt die Jansen Bar nicht nur durch die Nacht, sondern bringt das Etablissement auch am Tage auf Vordermann – und das seit nun genau 20 Jahren in der Gotenstraße 71 auf der Schöneberger Insel.

jansen

200 Schätzchen

„Ich bin tag- und nachtaktiv, das entspricht genau meinem Rhythmus.“ Und so steht er morgens zwischen zehn und zwölf Uhr schon wieder auf den Beinen, kümmert sich um Einkauf, Werbung, Karten schreiben, Buchhaltung, Reinlichkeit und Renovierung. Denn das Original-Innenleben der Bar – die Kacheln stammen noch aus der vorletzten Jahrhundertwende – will erhalten bleiben. Das Handwerkliche macht ihm großen Spaß, ebenso wie das Kreieren und Zelebrieren konventioneller und innovativer Cocktails und Longdrinks. An die 200 Schätzchen hat er im Programm. Bis auf drei, vier beherrscht er alle aus dem Kopf.

Da wäre beispielsweise der kiezbezogene „Red Island Bug“ – eine Variante des „London Bug“ mit frischem Ingwer und Ginger Ale. Gelobt wird allenthalben der „Flying Kangeroo“. Oder „Kiss me Kate“, kreiert nach Bedürfnissen der Nachbarin Katja: Tequilla, Kokussirup, Ananassaft und Zitronensaft – ohne Sahne! Und selbstverständlich auch ein perfekter Mai Tai oder die klassische Caipirinha, welche die Schreiberin dieser Zeilen vor mehr als 20 Jahren zum ersten Mal in der Jansen Bar trank – mit nachhaltigem Erfolg!

Im Wohnzimmer-Look

In jenen Jahren gehörte die Bar im Wohnzimmer-Look noch Patrick Löwenstein und Björn Schlottmann und galt aufgrund ihrer hochwertigen Cocktails bald als Geheimtip der Szene. Oliver selbst kam in jener Zeit zum ersten Mal auf die Insel. „Wo schleppt ihr mich denn hin – so eine düstere Gegend? Aber als ich eintrat, war ich begeistert!“ Seither liess ihn die Rote Insel nicht mehr los, seit 2003 wohnt er auf der Insel und seit 2006 sogar über seiner Bar. „Mir gefällt es hier bestens,“ so der 48jährige, „wann immer ich auf die Straße gehe, werde ich links und rechts gegrüßt. Der Kiez ist immer heller und freundlicher geworden, viele Familien, viele junge Leute.“

Wenn seine Bar (geöffnet ab 20 Uhr) mit ihren 70 Plätzen so richtig bebt, fühlt er sich in seinem Element. Vorne nikotinfrei, hinten darf geraucht werden. Er wirbelt zwischen seinen mehr als 200 Spirituosen aus aller Welt – darunter an die 50 feine Malt-Whiskeys – hin und her. Da stehen echte Werte vor den historischen Villeroy&Boch-Kacheln. Oliver und sein Team verwenden frisch gepresste Zitrussäfte und trockenes, kaltes Eis. Die Presse spart nicht mit Lob. Von „zungenbetörenden“ Getränken ist die Rede – von „Platz 7 der besten Cocktail Bars rund um den Globus“.

Bio muss sein

Inhalte und Herstellung sind ihm besonders wichtig – auch in der eigenen Ernährung. Oliver steht auf Bio-Produkte, die er samt und sonders auch bei Anne und Helmut in der Bioinsel kauft. Einzig die Fleischtheke fehlt ihm bisweilen – „Ich bin Fleischesser“ – Biofleisch, selbstverständlich. Bio hält auch immer mehr Einzug in seine Bar ein: Rohrzucker, Agavensirup, Eier, Bananen und Ingwer – alles Bio. Früher war es Bärenmarke zum Cocktail, heute verwendet er Biomilch und -sahne. Das seine angegossenen Gurkenschalen aus ökologischem Anbau sind, versteht sich von selbst. Für Bio-Spirituosen sei der Markt noch nicht reif, sagt Oliver. Will jemand Wodka absolut mit Demeter-Stempel? „Kommt noch!,“ meint der Barbesitzer zuversichtlich.

Erst Koch, dann chef du bar

Der gebürtige Stuttgarter verliebte sich 1988 – wie so viele „westdeutsche“ Freigeister – in die Mauerstadt und entschied sich umgehend für den Umzug – nicht ahnend, dass die Mauer in Kürze fallen würde. In Berlin machte er erst einmal eine Ausbildung zum Koch „mit IHK-Abschluss“. Aber schon während dieser Zeit zog es ihn in den Betriebsferien hinter den Tresen eines Kreuzberger Restaurants. Das gefiel ihm weitaus besser als in der Küche zu arbeiten: „Nicht im Bratfett stehen, mehr Geld verdienen, direkte Bestätigung und schöne Frauen sehen..!“ Dabei blieb es. Er avancierte zum chef du bar im Tres Kilo am Marheinekeplatz und übernahm am 1. Juni 1996 die Jansen Bar mit Anna Meyer. Seit 2005 führt Oliver die Bar allein.

Heute, zwei Jahrzehnte später, wird das Jubiläum gefeiert und auf die kommenden Jahre ein Cocktail gehoben; denn Oliver liebt seine Profession, mixt, handwerkelt, denkt sich neue Getränke aus – vielleicht diesmal eines mit Saint James, einem weißen Martinique-Rum, dessen alte Destillierkunst er bewundert – oder endlich einen fair gehandelten Bio-Mix, der nachhaltige Wirkung zeigt!

www.jansenbar.de

Text/Foto: www.ankekuckuck.de

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