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Louis Bielenburg: Immer in Bewegung

Freunde treffen. Einkaufen gehen in der Bioinsel. Auf zur Arbeit in die Kita der Ufa-Fabrik. Sonntags Fußballspielen mit Freunden. Eigenständig sein. Das ist Louis wichtig. Er ist in manchen Dingen gehandicapt durch das Downsyndrom, was ihn aber in seinem Freiheitsdrang nicht einschränkt; und auf der Roten Insel kennt er sich aus. Mit zwölf Jahren ist er mit seiner Mutter hier her gezogen. Jetzt, zehn Jahre später, finden beide: Das war die richtige Entscheidung! „Hier ist es Klasse!“ sagt der 23jährige heute. Vorläufiger Höhepunkt ist nun die eigene Wohnung in der Leberstraße.

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Louis (rechts) mit Floyd auf dem Bolzplatz Leberstraße beim sonntäglichen Torwarttraining.
 

Neues Zuhause mit Freunden

Dort lebt Louis mit seinem besten Freund Floyd und dem „Neuzugang“ Christoph im betreuten Wohnen: eine eigene Wohnung auf der Roten Insel, im Haus der Familie von Floyd. Ein Glücksfall; denn es ist nicht leicht, ein geeignetes Wohnprojekt zu finden. Mitsamt dem Betreuerteam wird nun das gemeinsame Wohnen geübt und umgesetzt: Putzliste, Essen bereiten, Freizeit planen – alles muss besprochen werden. Heute gibt es Tiefkühlpizza – da hält sich die Kochkunst in Grenzen.
Die ersten drei Monate liefen prima. Jeder hat seinen Wohnbereich, es gibt eine gemeinsame Küche. In Floyds Zimmer wird gekickert und Fußball geguckt. Denn Fußball ist Louis und Floyds gemeinsames Hobby. Mit Floyd geht er sonntags auf dem Bolzplatz am Ende der Leberstraße Fußballspielen, sie treten gemeinsam im Videogame gegeneinander an: Louis für Hertha, Floyd für Bayern. Mit der Gruppe HAHOHE besuchen sie Hertha-Heimspiele im Olympiastadion, und für Auswärtsspiele geht es dann in die entsprechenden Hertha-Kneipen.
Louis Mutter, Heike Bielenberg, ist sehr angetan vom neuen „getrennt“ Wohnen. „Ich sehe ja, dass es Louis total gut gefällt. Das entspannt mich natürlich ungemein.“ Sie selbst arbeitet selber im betreuten Wohnen mit jungen Leuten und kennt das Thema. Trotzdem, wenn der eigene Sohn auszieht, sieht die Sache immer noch einmal anders aus: „Wir begegnen uns manchmal an der Bushaltestelle, und Louis besucht mich Sonntagabends.“ Louis lacht: „Lindenstraße gucken!“

Unterwegs im Kiez

Früher konnte sich Louis nicht vorstellen, mit andern jungen Leuten zusammen zu wohnen. Jetzt aber ist er mutiger, selbstbewusster geworden, auch dank seiner Jugendgruppe FAB e.V., eine tolle Initiative in der Czeminskistraße.
Heike freut sich heute über ihren Umzug auf die Rote Insel, sowohl für sich selbst als auch für ihren Sohn Louis. Hier konnte sich Louis prächtig entwickeln,- so wie sich der ganze Kiez  prächtig entwickelt hat und Louis und seinen Freunden viele Möglichkeiten eröffnet – die neue Parkanlage, die Verbindungen zum Südkreuz und zur S-Bahn. „Das bringt uns eine große Lebensqualität“, so Heike.

Start in der Bioinsel

Seine eigene Arbeit ist Louis seit Jahren sehr wichtig. Erste Erfahrung hat er im Rahmen des Schulpraktikums in der Bioinsel von Anne und Helmut gemacht. Da hatte sein Lehrer, der auch im Kiez wohnte, die Idee, mit ihm in der Bioinsel vorzusprechen, ob er hier ein Praktikum machen könnte. Er konnte – anschliesend hat er fast zwei Jahre samstags als Schüler im Biomarkt gejobbt. In der Bioinsel zu arbeiten hat ihm Spaß gemacht: den Vergrößerungs-Umbau mitmachen – abgelaufene Waren aussortieren und durch frische ersetzen – Bekannte treffen –  seine eigene Mutter bedienen – auch seine Jugendgruppe hat ihn besucht. Noch heute kauft er in der Bioinsel ein und besitzt eine Kundenkarte.

Damit der Laden läuft

Louis wollte schon immer „irgendetwas mit Lebensmitteln“ zutun haben, wollte vielleicht Koch werden. Erfahrungen in der Küche hat er in zwei Kinderläden-Praktika sammeln können. Er selbst antwortet auf die Frage, was er gerne isst: „Alles!“ Aus gesundheitlichen Gründen hat er sich aber für ein Leben als Vegetarier entschieden.

Vor drei Jahren begann er mit einer Qualifizierungsmaßnahme in der Kindertagesstätte der Ufa-Fabrik. Jetzt hat ihn die Kita als Hauswirtschaftskraft übernommen. Er ist für die hauswirtschaftliche Organisation zuständig und kümmert sich um Geschirr, Wäsche „und das der Laden läuft“. In der Kita, so Louis, wird abwechlungsreich gegessen. Montags zum Beispiel ist Nudeltag. „Oh Wahnsinn!“, kommentiert er die Riesenliste unterschiedlichster Ess-Anforderungen der Kinder: laktosefrei, vegetarisch, keine Tomaten, glutenfrei… 200 Kinder, darunter auch Babies, wollen versorgt sein.

Die Arbeit macht ihm Spaß, auch wenn es oft laut und wild zugeht. „Das ist abwechslungsreich, jede Woche anders und nie langweilig. Wir laufen den ganzen Tag für die Kinder herum.“ Kein Wunder, dass Louis dann abends, wenn er in sein neues Zuhause kommt, erstmal Ruhe braucht. Nach seinem Lieblingsplatz in der neuen Wohnung befragt, antwortet er grinsend: „Mein Bett!“

Text und Foto:
www.ankekuckuck.de

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